Unter Wasser & über den Wolken
Von Kirsten Clahr, Mai 2026. Fotos Kirsten Clahr & Beo Brockhausen.
Schon der spektakuläre Landeanflug auf die portugiesische Insel Madeira lässt vermuten, dass die Vulkaninsel noch weitere spannende Überraschungen bereithält.
„Wir haben hier einige unvorhersehbare Winde, wundern Sie sich also nicht, wenn wir anstatt zu landen gleich durchstarten und wieder steil in den Himmel steigen.“ Die Durchsage des Flugkapitäns lässt unseren Sitznachbarn doch etwas angespannt wirken. Aber die Sorge erweist sich als unbegründet und die Condor-Maschine schwebt elegant auf die bis ins Meer verlängerte Landebahn des Cristiano-Ronaldo-Flughafens. Ja, der Airport wurde nach dem von der Insel stammenden Fußballstar CR7 benannt.
Madeira zählt zur biogeografischen Region Makaronesien, zu der weitere Inselgruppen vulkanischen Ursprungs wie die Azoren, die Kanaren und Kap Verde im östlichen Zentralatlantik gehören. Nach der glücklichen Landung auf der glücklichen Insel (griech. makários = glücklich und griech. nésos = Insel) kann die Erkundung von Levadas (künstlich angelegte, historische Wasserkanäle) und Lavafelsen, Wäldern und Wasserfällen, Klippen, Küsten und klarem Meer beginnen.
Unser Ausgangspunkt ist der sonnenverwöhnte Ferienort Caniço de Baixo an der Südostküste, denn hier befindet sich die bekannte Tauchbasis Manta Diving, die direkt im Unterwasser-Meeresschutzgebiet von Garajau liegt. Manta Diving ist im Lidomar stationiert, der Felsenbadeanlage, die zu den Galoresorts gehört. Wir haben uns anstelle der großen Hotels für das Inn & Art entschieden, ein kleines familiäres Hotel mit nur zehn Zimmern, einem hervorragenden Restaurant und großer Terrasse mit Panorama-Meerblick. Es liegt gleich auf der Nachbarklippe des Lidomar und ist somit nur einen Katzensprung (fünf Gehminuten) vom Tauchcenter entfernt. Perfekt.

Mit dem Team um Sittika und Stefan Mayer von Manta Diving erkunden wir die Unterwasserwelt. Die mehrfach ausgezeichnete Basis überzeugt sofort mit einem freundlich-dynamischen Team, Top-Ausstattung und extrem guter Organisation. Eine Nitroxanlage mit CO₂-Reducer, neuestes Equipment und ISO-Zertifizierung sind hier eine Selbstverständlichkeit. Das Hausriff bietet Abwechslung mit verschiedenen Tauchoptionen: eine Höhle, Lavafinger oder auch die Arena – es gibt immer etwas zu entdecken: von kleinsten Schnecken über Krabben, Anemonen, Würmer, Muränen, Skorpionsfische und diverse Fischschwärme bis hin zu Oktopussen, Quallen, Sepien, Barrakudas und stattlichen Zackenbarschen. Wer möchte, bucht Tauchgänge mit Begleitung durch einen der erfahrenen Guides oder erkundet im Buddy-System die Spots in Eigenregie.
Per Boot werden weitere Plätze erreicht, darunter ein Wrack und der durch seine fast zahmen Zackenbarsche bekannte Spot Garajau. Hier mache ich gleich Bekanntschaft mit mehreren dieser zutraulichen braun gefleckten Giganten, von denen mich einige bis auf wenige Zentimeter an sich heranlassen. Am Tauchplatz Arena bewegen wir uns durch Tunnel und Überhänge und treffen auf diverse Schwarmfische und Barrakudas. Der Fischbestand kann sich wirklich sehen lassen. Ich bin begeistert.
Mindestens ebenso faszinierend wie die Blicke in die Tiefe des blauen Atlantiks sind Wanderungen durch Madeiras Bergwelt oder entlang der Küsten. Schroffe Felsgrate, tiefe Täler, dramatische Panoramen und plätschernde Wasserfälle, die sich über moosbewachsene Felswände ergießen, manchmal direkt auf die Wege stürzen und Wanderern so eine erfrischende mehr oder weniger freiwillige Dusche verpassen. Typisch für die Insel sind ihre Levadas – historische Bewässerungskanäle, die sich über Hunderte von Kilometern durch die Insel ziehen und die reichen Wasserressourcen vom Inselinneren an die Küste befördern. Auf den Wartungswegen neben den Kanälen kann man Madeira kreuz und quer durchwandern, immer wieder spektakuläre Ausblicke genießen und einen großartigen Einblick in die vielfältige Flora gewinnen. Richtig spannend werden diese Touren, wenn die Levadas durch lange, dunkle und enge Bergtunnel fließen und man diese mit Stirnlampe ausgestattet durchqueren muss.
Einer meiner persönlichen Lieblingsplätze ist der Feenwald von Fanal. Der immergrüne Lorbeerwald Madeiras hat es sogar auf die UNESCO-Liste des Weltnaturerbes geschafft. Moose und Flechten bedecken Stämme und Äste. Wenn dann noch wabernde Nebelschwaden aus den Tälern auf die Hochebene ziehen, entsteht in dem Gebiet mit den uralten knorrigen Bäumen eine märchenhafte Atmosphäre mit einzigartiger, mystischer Stimmung – geradezu magisch!
Im Zentralmassiv von Madeira finden wir mit den drei höchsten Gipfeln Pico Arieiro (1818 m), Pico das Torres (1851 m) und Pico Ruivo (1862 m) ein Wandergebiet mit beinahe alpinem Charakter. Oft wechseln die Wetterbedingungen innerhalb weniger Minuten. Wenn man auf dem höchsten Gipfel steht, verwandeln sich Regen und Nebel plötzlich in strahlenden Sonnenschein und kurz darauf ziehen schon wieder mächtige Wolkenberge auf. Der Blick über das Wolkenmeer und die Bergkämme bleibt unvergesslich.

Neben all der schönen Natur kommt aber auch urbanes Flair nicht zu kurz. Funchal mit seiner Altstadt und tropischen Parks lädt zum Flanieren ein. Hier gibt es enge Gassen mit zahlreichen Restaurants und Cafés, ein altes Fort, den Mercado dos Lavradores mit einem bunten Angebot aus Blumen, Obst, Gemüse, Gewürzen, Souvenirs und dem legendären Fischmarkt, aber auch hippe Läden, Galerien und Szenekneipen. Und wo wir schon dabei sind: Auch das kulinarische Angebot kann sich sehen lassen. Unbedingt probieren: Poncha!
Das fruchtige Traditionsgetränk Madeiras aus frisch gebranntem Zuckerrohr, Honig und verschiedenen Früchten schmeckt nicht nur gut, sondern hat es auch in sich. Wer also noch mit dem Mietwagen unterwegs ist, sollte es mit Vorsicht genießen.
Madeira verbindet auf grandiose Weise verschiedenste Naturerlebnisse unter Wasser und über den Wolken – ein wahres Paradies für Outdoor-Aktivitäten.
Unser Dank geht an das fantastische Team von Manta Diving – wir hatten eine tolle Zeit mit euch!
Tacheles:
Madeira ist aufgrund seiner abwechslungsreichen Aktivitäten und der spektakulären Landschaft in den letzten Jahren immer populärer geworden. Um die Natur zu schützen und die Wanderwege zu den Höhepunkten der Insel zu entlasten, wurde für klassifizierte Wanderwege ein Registrierungs- und Gebührenprogramm eingeführt. Über dieses System muss man sich für bestimmte Wanderungen online anmelden sowie Tag und Zeitpunkt vorab auswählen und buchen. Nach der Zahlung per Kreditkarte erhält man einen QR-Code, der unter Umständen kontrolliert werden kann und vorgezeigt werden muss. Wer ihn nicht hat, muss eventuell mit einer Strafzahlung rechnen.
Um die Insel ausgiebig zu erkunden und unabhängig zu sein, ist die Buchung eines Mietwagens unbedingt empfehlenswert.
Kirsten Clahr
Mai 2026












































